Was macht einen guten Leader aus?

Häufig hören wir so etwas wie „Sie brauchen Leadership Qualitäten…“

Doch was bedeutet das genau und vor allem, kann ich mir Leadership Qualitäten aneignen?

In der Führung geht es in erster Linie um Verhalten und weniger um Wissen.

An Hochschulen lernen wir in der Theorie, wie Führung funktionieren kann. Wir lernen zu beobachten, zu strukturieren und zu katalogisieren. Theoretische Führung aus einem Methodenkasten zu erlernen macht noch lange keine Führungskraft oder einen Leader aus.

Verschiedene Standards sollten allerdings beherrscht sein, um erfolgreiche Führungsaufgaben wahrnehmen zu können.

Führung erfordert Zeit!

Fangen wir zunächst mit dem Mythos „Zeit“ an: Führung erfordert Zeit!

Häufig erlebe ich, dass die Zeit das größte Problem ist. Stimmt, gerade in unserem heutigen Alltag ist die Zeit extrem kostbar geworden und Termine sind häufig eng gestrickt.

Ist es die Zeit, die einem fehlt oder liegt es am eigenen Zeitmanagement?

Wie ist Ihre Unternehmensstruktur? Machen Sie als Führungspersönlichkeit alles am liebsten alleine oder können Sie loslassen und die Aufgaben verteilen, ohne immer von allem zu wissen? Haben Sie Vertrauen in Ihr Team?

Wer berichtet an Sie? Jeder Mitarbeiter einzeln oder haben Sie Ihren Betrieb bereits mittels eines Organigramms und Abteilungsleitern klar und sauber strukturiert? Sind Ihre Prozesse klar strukturiert? Kennen Ihre Mitarbeiter die genauen Abläufe? Gibt es klare Stellenbeschreibungen?

Wer Führungsaufgaben übernimmt muss selbstverständlich Zeit einplanen.

 Nur wie viel Zeit plane ich pro Mitarbeiter ein?

Mein Tipp: Planen Sie 15 – 30 Minuten pro Woche und Mitarbeiter – der direkt an Sie berichtet – ein.

Darüber hinaus sollten jeweils nochmals 2 bis 4 Stunden inklusive Vorbereitung für zwei längere Gespräche im Jahr eingeplant werden (Jahresgespräch).

Zur Planung gehört ebenso, dass Gespräche auch mal zwischendurch stattfinden können.

Ein Jahresgespräch eignet sich gut, um gemeinsam beispielsweise Zielvereinbarungen festzulegen und zu hinterfragen, ob die Ziele realistisch sind und der Mitarbeiter seine Aufgabe motiviert annimmt.

Ein Beispiel:

Wir gehen von 45 Arbeitswochen zu 40 Stunden Arbeitszeit aus und haben 6 direkt an Sie berichtende Mitarbeiter. Somit wäre Ihre Arbeitszeit mit rund 8% für Führungsaufgaben gefüllt.

Bei 12 direkt berichtenden Mitarbeitern rund 15% und bei 18 rund 23%, also fast ein Viertel Ihrer Arbeitszeit. Natürlich ist dies nur ein exemplarisches Beispiel, welches durchaus mit Schwankungen verbunden ist. Neu eingesetzte Mitarbeiter, die sich an Abläufe und Strukturen des Betriebes gewöhnen müssen, benötigen gegebenenfalls mehr Zeit, wohingegen die Gespräche mit langjährigen Mitarbeitern erfahrungsgemäß weniger Zeit in Anspruch nehmen werden.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an http://www.aaa-plus.at.

Wie Sie sehen, stößt man an seine Grenzen, je mehr Mitarbeiter direkt an die Führungskraft berichten. Sollten Sie feststellen, dass Ihre Zeit nicht mehr ausreicht, ist das eine gute Gelegenheit über die eigenen Strukturen und Organisation neu nachzudenken.

Warum Manager heutzutage Leader sein müssen

Die Manager „der alten Schule“ waren mitunter diejenigen, die ihre Angestellten nach Gutsherrenart cholerisch und oft grundlos in die Schranken wiesen, um ihre Macht und Autorität zu demonstrieren.

Leider wird dieser Führungsstil nach wie vor noch praktiziert.

Vielleicht kennen Sie so etwas oder haben es sogar schon mal selbst erlebt?!

Die Frage dahinter lautet, wer lässt das in der heutigen Zeit mit sich machen?

Natürlich ist mir bewusst, dass es dafür viele Gründe gibt:

Angst vor Jobverlust, finanzielle Verpflichtungen, um nur zwei Gründe zu nennen. Die andere Frage, die sich daraus ergibt ist doch: Wie motiviert sind die Mitarbeiter im Unternehmen? Und wie kann ich meine Mitarbeiter mit neuem Schwung gar zur intrinsischen Motivation bewegen?

Wie ist die Grundstimmung im Unternehmen? Wie hoch ist der Kranken- und Fluktuationsstand? Werden freiwillig Überstunden gemacht? Ist der Mitarbeiter bereit für das Unternehmen „alles zu geben“, vielleicht auch mal über die Grenzen hinaus?

Was ist moderner Führungsstil?

Ein moderner Führungsstil ist geprägt von Motivation, Wertschätzung, einer guten Gesprächskultur sowie der Überzeugung von gemeinsamen Werten, Zielen und effektivem Handeln.

Moderner Führungsstil schafft es, die Menschen zum selbständigen Handeln zu bewegen und zu entwickeln. Jeder Mensch ist besonders und einzigartig und verdient es, in seiner ihm gegebenen Möglichkeiten persönliche Weiterentwicklung zu erfahren – getreu dem Motto: Fordern und Fördern.

Persönliche Entwicklung bedeutet: Herauszuholen, was in einem steckt. Und das ist die tägliche Aufgabe und Zielsetzung einer Führungskraft, die transparent, offen und auf Augenhöhe sein Team jeden Tag aufs Neue dazu verhilft, sich zu den Persönlichkeiten zu entwickelt, die sie sind.

Interessant ist die Argumentation von Reinhard K. Sprenger („Mythos Motivation“, 20. Auflage, Sept. 2014). Hier wird die These vertreten, dass „Mitarbeiter nicht motiviert werden können, sondern Manager nur demotivieren können“. Daher sollte das Ziel sein, Demotivation zu vermeiden, um die vorhandene intrinsische Motivation zu erhalten. Ein -wie ich persönlich finde – interessanter Ansatz.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Motivation und die entsprechende Arbeitseinstellung vorhanden sind, stellt sich mir die Frage, was einen Mitarbeiter demotiviert? Vielleicht doch das Management?

Was wünschen sich Mitarbeiter?

Es ist ganz einfach: Wahrnehmung (als ganze Persönlichkeit auch mit Schwächen), Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit und ihre Leistung. Feedback zu erbrachten Leistungen, für die der Mitarbeiter viel Muße und Zeit investiert hat, gehört ebenfalls dazu.

Nicht zu unterschätzen sind darüber hinaus Vertrauen, Selbstverwirklichung und inhaltliche Sinnstiftung.

Mitarbeiter zu demotivieren ist relativ einfach: von unfairer Behandlung bis hin zur fehlenden Anerkennung und Schikane, gibt es ein breites Spektrum an Verhaltensmustern, welche die Leistungsbereitschaft ins Bodenlose fallen lässt. Manchmal ist es auch nur eine unbewusste Bemerkung vom Chef, die dazu führt, dass die Leistungsbereitschaft enorm abnimmt. Nehmen Sie sich regelmäßig die Zeit, um Äußerungen an Ihre Angestellten zu reflektieren?

Mein Tipp: Seien Sie „an Ihrem Team dran“, informieren Sie sich über Themen und Neuigkeiten. Halten Sie engen Kontakt. Es handelt sich um „echte“ Menschen, nicht nur um eine Personalnummer oder „den Müller, der die Post verteilt“.  Menschen möchten mitgenommen werden, sie möchten sich mit ihrem Unternehmen und Ihnen als Führungskraft identifizieren. Sie möchten Ihnen als Leader folgen, jedoch auch als Individuen mit eigenen Ideen und konstruktiven Vorschlägen wahrgenommen werden und zum ganzen Erfolg vollwertig beitragen.

Sind Sie derjenige, der voraus geht und die Fahne auf den Gipfel stellt?

Welcher Leader wollen Sie sein?